Der Rheinauhafen

Köln ist eine große Stadt mit vielen Attraktionen und die Kölner sollten noch eine weitere, atemberaubende dazu erhalten. Der Rheinauhafen hatte eine ganz andere Aufgabe, als er vor vielen Jahren gebaut wurde. Die Binnenschiffe wurden dort beladen und entladen. Eine für normale Bürger verbotene Zone, die in sich eine geschlossene Welt darstellte. Nach dem zweiten Weltkrieg verlor der Hafen jedoch immer mehr seine Bedeutung, da immer mehr Arbeit an andere Orte verlagert wurde. Die Häfen in Godorf, Niehl, Mülheim oder Deutz waren nun ebenfalls sehr gefragt.

Was blieb? Am Hafen

Was blieb aber dann nun noch als Aufgabe für den Rheinauhafen? Die leerstehenden Gebäude wurden immer öfters auch als Filmkulisse genutzt. Ideal für Krimis und Ganoven! Ansonsten wurde dieser ungeschliffene Diamant kaum genutzt. Ich selber war in meinen jungen Jahren auch mal dort, da man dort alle Kellerräume und Hallen für Parties mieten konnte. Schließlich störte man dort niemanden, da dort ja niemand wohnte.

Rheinauhafen Koeln
Der Rheinauhafen heute: Moderne und Geschichte eng zusammen

Es geht bergauf!

Endlich kam etwas Schwung in die Angelegenheit: der Diamant sollte geschliffen werden. Im Jahre 1992 gab es einen Wettbewerb der Stadt Köln und man sollte vorschlagen, wie man diesen Fleck dort sinnvoll nutzen konnte. Was könnte aus dieser Fläche entstehen? Wohnviertel? Büroviertel? Oder sollte es vielleicht einfach nur zu einem riesigen, grünen Park direkt am Rhein werden? Ideen gab es wirklich viele, aber es gab auch viele Bürger, die ganz, ganz viele Argumente gegen jeden Vorschlag hatten.

Im Jahre 2002 gab es dann endlich das grüne Licht für den Umbau des Rheinauhafens. Das Hin- und Her hatte endlich ein Ende und die Kampagnen der "Häfen und Güterverkehr Köln" (Eigentümerin des Geländes) hatten Erfolg gehabt.

Riesen Fläche

Es ist eine Riesen Fläche, die nun zum jüngsten Viertel von Köln gemacht werden soll. Zwei Kilometer lang und mehr als 200 Meter breit ist das Schmuckstück,welches bald Wohnungen und Büroflächen mit den teuersten Quadratmetern der Domstadt zur Verfügung stellen sollte. Restaurants, Cafés und sogar ein Hotel sollten den Rheinauhafen bald verzieren.



Hafenamt

Das Hafenamt ist ein unverwechselbares Gebäude, welches einfach nur wunderschön aussieht und mit vielen Verzierungen geschmückt ist. Nein, es ist kein neumodernes Gebäude, sondern es hat eine Fassade aus Backsteinen und erinnert ganz bewusst an die Blütezeit, an die Zeit in der hier noch die Schiffe angelegt haben. Mit seinem tollen Uhrenturm ist es das Wahrzeichen des Rheinauhafens. Es steht unter Denkmalschutz und ist Bürogebäude und sogar Wohnsitz des Hafendirektors in einem.


Das Krafthaus

Ein weiteres historisches Gebäude ist das Krafthaus. Früher waren dort Pumpen und Motoren untergebracht. Ihre Aufgabe war die Aufbereitung des Druckwassers für alle hydraulischen Anlagen im gesamten Hafen! Respekt vor dieser schwierigen und sogleich auch wichtigen Aufgabe. Jeder einzelne Kran im Hafen war also auf dieses Krafthaus angewiesen. Von außen war das Krafthaus vielleicht nicht ganz so "Italienisch" gestyled, trotzdem war es aber schön anzuschauen. Die Backsteinfassade ist in zwei Farben gehalten und besonders die Dachlandschaft vermittelt dem Gebäude seinen eigenen Flair. Was man kaum glauben mag: die Wände der zahlreichen Maschinen und Pumpenräume waren bzw. sind mit schönen Wandmalereien verziert. Weiterhin ist noch eine Menge Holz in Boden und der Decke verbaut. Auch dieses schöne Gebäude steht unter Denkmalschutz. Mittlerweile ist es umgebaut und ist zu einem modernen Bürogebäude geworden. Auch hier hatten wieder einige findige Architekten ihre Finger im Spiel und konnten Ihre Vision verwirklichen. Von innen ist das Gebäude nun weit offen und modern. Holz und glänzendes Eisen bzw. Metall bestimmen das Bild. Bei viel Licht und einem tollen Gefühl lässt es sich doch viel einfacher Arbeiten.

Krafthaus

Krafthaus am Rheinauhafen

Krafthaus Koeln Rheinauhafen

Der Lockschuppen

Ein richtiger Hafen hat natürlich auch eine eigene Gleisanlage und somit natürlich auch den Bedarf an einem eigenen Lockschuppen. Damals gab es drei Eisenbahngleise auf denen die Locks hin und her fuhren und die Waren auf die Schiffe verluden. Krane luden die Fracht dann von den Schiffen auf die Wagons oder umgekehrt. Die Krane und der Lockschuppen sind heute als einziges noch erhalten. Der Lockschuppen kann jedoch leider heute nicht mehr weiter genutzt werden und steht eigentlich nur noch als Denkmal dort. Die Denkmalschützer wollten eigentlich auch die Gleise erhalten, konnten sich aber nicht durchsetzen und so blieb lediglich der Locksschuppen und die Krane. Das Hochwasser machte die Anhebung des Bodens notwendig und führte im folgenden aber zu einer Funktionsbeeinträchtigung des ganzen Gebäudes. Ansonsten wurde eigentlich alles an diesem Gebäude erneuert: Fenster, Decke oder Gauben haben ein zeitgemäßes Update erhalten.

Die Wohnwerft 18.20

Es ist das längste Gebäude im ganzen Rheinauhafen. Es ist ganze 176 Meter lang und beherbergt genau 72 Wohneinheiten. Wer hier wohnt, der hat "es geschafft" könnte man meinen. Einen tollen Ausblick und eine tolle Lage. Wer aber will jeden Tag Besuch haben von vielen Kölntouristen, Bauarbeitern und Geschäftsleuten? Die Lage zieht eben nicht nur die Menschen an, die dort wohnen wollen, sondern auch viele neugierige Menschen und Leute die dort einfach eine schöne Zeit haben wollen, vielleicht einen Kaffee trinken wollen oder ähnliches. Dadurch fühlen ich die Anwohner dann vielleicht gestört. Entscheiden Sie also selbst, ob dies ein toller Fleck zum Wohnen ist. Das Gebäude wurde von dem Kölner Architektenbüro Römer und Partner veredelt. Es wurde ein edler weißer Putz aufgetragen und so eine freundliche, helle Atmosphäre erzielt. Ansonsten sind die Wohnungen natürlich alle ein Traum: alle mit einem schönen Rheinblick und alle verfügen über große Balkone, auf denen man die Kölner Sonnentage natürlich gerne verbringen möchte. Da es dort recht windig sein kann, gibt es als Windschutz verschiebbare Glasscheiben. Aber eines darf man als Anwohner natürlich nicht vergessen: dort ist auch eine Anlegestelle für die Binnenschifffahrt! Dies führt manchmal zu Diskussionen mit den Anwohnern, die teuer bezahlt, meinen, sie könnten dort ihre Ruhe einfordern. Doch vergessen wir nicht die Mannheimer Akte, die als Gesetz von 1874 erlassen wurde, das Anlegen erlaubt, wo immer sie wollen. Auch die Hochwasserschutzwände zeigen und immer noch: wir sind direkt am Wasser! Diese mobilen Schutzwände können verschoben werden und bieten Schutz bis zu einer Höhe von 11,40 Metern.

Wohnwerft

Wohnwerft am Rheinauhafen

Wohnwerft Koeln Rheinauhafen

Das Siebengebirge

Und damit ist jetzt nicht das alte Siebengebirge gemeint, sondern das alte Danziger Lagerhaus. Der Volksmund hat es Siebengebirge getauft, da es sieben Giebel hin zur Stadt hin hat. Gebaut wurde das Gebäude übrigens 1909 von Hans Verbeek. Bevor die Kranhäuser gebaut wurden, war eben dieses Siebengebirge so etwas wie das Wahrzeichen des Rheinaufhafens (neben dem Uhrenturm des Hafenamtes). Eigentlich sollte das Gebäude abgerissen werden, da es über zu kleine Fenster verfügte und als Wohnanlage anfangs überhaupt nicht geeignet war. Doch auch hier konnten einige findige Architekten noch ein Wunder vollbringen. Fenster wurden vergrößert, Velux Fenster in die Dachschrägen eingebaut und Loggien eingesetzt. Und - oh Wunder - es konnten insgesamt noch 138 Wohneinheiten entstehen, die eine sehr starke Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt hatten. Plötzlich wollte dort jeder Wohnen, auch ohne Garten. Der Ausblick und die Lage eben. Insgesamt sind die Einheiten jedoch immer recht dunkel, da die Sonne nur recht schlecht in die tiefen Räume gelingt. Also muss man mit vielen Lampen, hellen Tapeten und weiteren Tricks arbeiten. Da sind die Kranhäuser natürlich deutlich heller und komfortabler.... Aber ok, sie sind natürlich auch deutlich teurer und unerreichbarer.

siebengebirge

siebengebirge am Rheinauhafen

siebengebirge Koeln Rheinauhafen

Die Krane

Und nun kommen wir zu den Zeitzeugen des Hafens: den Kranen. Hunderte von Jahren haben sie den Hafen geprägt mit ihrer Arbeit und ihrer Optik. Halbportalkrane werden sie genannt und mobil gemacht auf sogenannten Kranführungsschienen. Sie könnten schon mal leicht einige Tonnen hiefen und die Waren von den Schiffen auf die Locks packen. Es gab aber auch noch einen Riesen im Hafen, der einfach nur Herkules genannt wurde. Herkules konnte bis zu 30 Tonnen hiefen und verladen. Er wurde dafür auf einen Betonsockel gestellt und konnte sogar 360 Grad gedreht werden. Solch ein Kran musste mit mehreren Arbeitern bedient werden. Er war einfach zu groß. Früher mussten die Krane noch mit Spezialkurbeln und Getrieben bewegt werden. Nach einiger Zeit erleichterte aber auch in diesem Bereicht die Elektronik und der Fortschritt die Arbeit im Hafen. Selbst der Dicke Pitter wurde dort am Hafen durch die Krane verladen. Im Laufe der Zeit wurden von den insgesamt 40 Kranen fast alle verschrottet. Übrig blieben lediglich 6 Stück, welche alle unter Denkmalschutz gesetzt wurden. Darunter auch unser beliebter und bekannter Herkules.

krane

krane am Rheinauhafen

krane Koeln Rheinauhafen