Ferienwohnung-Koeln.com stellt vor: Kalk

Kalk liegt rechtsrheinisch, hat circa 23.638 Einwohner und eine Fläche von 2,973 km². Jahrhundertelang bestand das Gebiet um Kalk nur aus ein paar Hofgemeinschaften sowie einer Pilgerkapelle. Im Zuge der Industrialisierung wurde das Gebiet zu einer wohlhabenden Industriestadt. 90 % des Stadtteiles wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Es begann ein schneller Wiederaufbau. Mit Beginn der Rezession in den 1970er Jahren wurden Werke geschlossen. Seit damals kam es zu einem Strukturwandel. Der Ausländeranteil in Kalk ist sehr hoch, was zu einer multikulturellen Gesellschaft führte. Vergleichsweise gibt es in Kalk, gemessen an anderen Stadtteilen, eine hohe Kriminalitätsrate. Die Arbeitslosenzahlen liegen auch sehr hoch. Kalk ist somit ein Stadtteil mit hohem Entwicklungsbedarf. In Kalk gibt es Wohnbauten aus der Gründerzeit, Mietshäuser aus den 1950er und 1960er Jahren, Verwaltungsbauten und große Industriebranchen.

Koeln Kalk

Geographisches

Im Norden der Kalker Höfe bestand ein Sumpfgebiet. Östlich grenzt Kalk an Höhenberg und Vingst. Südlich wird Kalk getrennt durch den Bahndamm der rechten Rheinstrecke und grenzt an Humboldt / Gremberg. Deutz bildet die westliche Grenze. Nördlich ist Buchforst die Grenze.

Geschichtliches

Eine Schenkungsurkunde besagt, dass der Erzbischof Heribert von Köln 1003 an die Abtei Deutz, viele Pfründe abgab. Einer dieser Pfründe war auch der Hof Kalk. Dieser hatte, wie die anderen, den Zehnten an die Abtei Deutz abzugeben. Erwähnt wird die Villa Kalka oder Calke, besagt eine andere Urkunde. Es wird vermutet, dass das Wort Kolk aus dem Mittelhochdeutschen stammt. Eine andere Vermutung ist, dass das Wort Kalk, den Baustoff, meint. Vielleicht wurde während der Römerzeit das Gebiet als Lagerplatz für Kalk benutzen. Es könnte sein, dass der Platz zum Bau von Colonia Claudia Ara Agrippinesium benutzt wurde.

Hochmittelalter bis Frühe Neuzeit

"Kalker Höff" bestanden bereits zur Landwirtschaftsnutzung vor dem Überschreiben an die Abtei Deutz. Man weiß allerdings nicht, ob es sich um einen oder mehrere Höfe handelte. Das Stift St. Severin in Köln besaß mit Sicherheit im 13. Jahrhundert Landbesitz. Ein Stück Land wurde 1330 bei den Eheleuten Sophie und Heinrich Körngin in Erbpacht gegeben. 1394 bekam das Severinstif den Hirtzhof aus dem Nachlass des Ritters Johann vamme Hirtze. Auch ein Kapitelshof wurde erwähnt. Das Severinstift erweiterte diesen Hof zum Fronhof um. 1626 wurde ein Broicher Hof erwähnt. Es wird vermutet, dass dieser Hof ident mit dem Hirtzhof ist. Es ist belegt, dass der Stiftshof, Hellingshof und der Knevelshof der Kapitelshof ist. Einige Quellen führen den Hof anders an. Der Broicherhof wurde 1673 Wolfskehlhof genannt. Erstmals erwähnt wurde im Jahr 1423 das Heiligenhäuschen. Es stand abseits der Höfe. Das Häuschen hatte eine bemalte Pieta mit der "schmerzhaften Muttergottes".

Es wird angenommen, dass der Bildstock als Gebetsstätte für Bewohner des Siechenhauses diente. Die Bewohner des Hauses erkrankten an Lepra. Daher durften sie ihren Heimatort Deutz wegen der Ansteckungsgefahr nicht mehr betreten. Diese armen Leute lebten von Almosen, die sie von Passanten erbettelten. Während des Schwedenkrieges war Kalk auch vom Dreißigjährigen Krieg betroffen. Es gibt Aufzeichnungen des Paters Rupertus Hollwegh von 1715. Am 20. Dezember 1632 verwüsteten schwedische Truppen unter General Wolf Heinrich von Baudissin das Gebiet um Kalk. 1665 brach die Pest aus. Es gab viele Opfer. Kalk wurde verschont. Als Dank wurde die Kalker Kapelle mit dem Marienbild gebaut. Das Marienbild besteht aus Holz. Diesem wurden seither Heilkräfte und Wundertaten nachgesagt. Die Kapelle wurde zur Pilgerstätte. 1672 wurde das Siechenhaus im Holländischen Krieg zerstört. 1703 wurde die Kapelle durch einen Sturm zerstört. 1704 aber neu erbaut. Durch die vielen Pilger wurde ein Gasthof "Zum vollen Anschlag" eröffnet. 1784 gab es eine Naturkatastrophe. Der Rhein war teilweise monatelang zugefroren. Im Zuge dessen türmte sich das Eis auf bis zu drei Metern Höhe. Es kam zum Dammbruch der Poller Köpfe. Kalk, Poll und Vingst wurden großräumig überschwemmt. Aus einem Bericht der damaligen Zeit geht hervor, dass die Kalker Höfe "bis ans zweite Ofentürchen" unter Wasser standen. Es gibt keine Zahlen, wie viele Tote es gab oder die Zahl der Obdachlosen durch die Überschwemmung.

Franzosenzeit 1789 bis 1815

Österreichische wie französische Truppen machten auch vor Kalk nicht Halt. Das rechtsrheinische Gebiet wurde zum Schlachtfeld. Die Österreicher wurden nachts von 5. bis zum 6. September bis ins Bergische Land zurückgedrängt. Erzherzog Karl befahl den Gegenangriff. Das eroberte Gebiet wurde wieder frei. Im Nachbarort Mülheim lagerten die Franzosen drei Monate. Es kam zu Plünderungen der Franzosen in den Kalker Höfen. Die Bewohner hatten nichts zu lachen. Die Österreicher wurden vertrieben. Aus der Zeit sind Zeitzeugenberichte belegt, die besagen, dass die Höfe von nachrückenden Truppen mehrfach geplündert wurden.

Eine alte Chronik führt an, dass die Holzfigur der "schmerzhaften Muttergottes" von Franzosen 1813 geraubt wurde. Daraufhin, besagt die Legende, ließen die Kräfte der Soldaten nach. Der Bauer Wiemich beobachtete alles und soll auf Kölsch gesagt haben: "wenn Se nit wigger kömme, dann wöt hä singem Drück ene Wösch mache un et wöd dat Dinge dann widder zoröckbränge, wo et her wör". Auf Hochdeutsch: Wenn Sie nicht weiterkommen würden, dann würde er seiner Magd "Trautchen" eine sogenannte Strohwulst machen und auf den Kopf setzen, damit sie das "Ding" wieder dahin zurückbringen würde, wo es hergekommen war. Die Soldaten brachten die Figur zurück, was dem Bauern zu verdanken sei. 1806 gehörte Kalk zum Großherzogtum Berg. 1808 zur Mairie Deutz. 1803 wurden die Besitztümer vom Severinsstift säkularisiert. Das Eigentum der Höfe fiel an die damaligen Pächter.

Pilgerort / Naherholungsgebiet Jahre 1815 bis 1850

Die Höfe wurden privat bewirtschaftet. Somit gab es keine regelmäßige Bezahlung für die Landarbeiter. Die Pilger zur "schmerzhaften Muttergottes" wurden immer mehr. Viele der ehemaligen Landarbeiter errichteten daher Holzverschläge entlang der Pilgerstraße. Dort boten sie Kaffee, Tee sowie heißes Wasser an. Die Familien der Kölner Kaufleute nutzten Kalk als Naherholungsgebiet. Die Wochenenden wurden für Picknicke im Grünen genutzt. Es gab jedoch nur einfache Wirtshäuser. Den vornehmen Kölnern genügte das nicht. So wurden elegante Kaffeehäuser und Restaurants gebaut. Es gab einige schöne Gartenanlagen, Tiergehege, Volieren. Man wollte den Stadtkindern ländliches "Viehzeug" zeigen. Ein paar wohlhabende Kölner bauten Landsitze in Kalk. Somit gab es einen leichten Bevölkerungsanstieg bis 1843. Bis 1850 stieg die Einwohnerzahl auf 100.000 in Köln. Rund um Köln entstanden Lagerplätze für Kalk, Sand und Ziegel. Auch kleinere Ziegeleien entstanden. Die Ziegel wurden zum Trocknen in die Sonne gelegt. Die Kalker Bauern boten ihre Felder als Trocknungsfläche an. Dies war für sie lukrativer, als die Felder zu bewirtschaften. Als später die Bautätigkeit abnahm, lagen die Felder brach. Die Felder wurden günstig an Kölner Unternehmer verkauft.

Industrialisierung Jahre 1850 bis 1867

Die ersten Fabriken entstanden im Westen der Kalker Hauptstraße. 1856 wurde die Maschinenfabrik für den Bergbau von Sievers & Co sowie 1858 die chemische Fabrik Vorster & Grüneberg gegründet. 1850 wurde eine Porzellanfabrik gebaut. Bis 1900 blieb diese bestehen. 1862 wurde ein Gaswerk gebaut, damit die Gasversorgung sichergestellt war. Im Dampfmaschinenzeitalter gab es großen Kohlebedarf. Die Unternehmen wollten Kohle aus der nahen Umgebung günstig erhalten. In den Jahren 1854 bis 1856 wurde nach Kohlevorkommen gesucht. Im Osten von Kalk wurde ein Braunkohleflöz gefunden. Es kam zum Abbau. 1856 ging das Bergerecht an Wilhelm Eckardt. Das in die Stollen eintretende Grundwasser konnte jedoch nicht genug abgepumpt werden. Somit wurde eine Braunkohleförderung unmöglich. Daher kauften 1858 die Gebrüder Sünner das Zechengelände. Die Brauerei & Brennerei Gebrüder Sünner wurde gebaut. Bis 1857 gehörte Kalk zur Deutzer Bürgermeisterei. Später wurde die Bürgermeisterei geteilt. Die Einwohnerzahl erhöhte sich aufgrund der Industrialisierung auf 1800. Eine erste Schule wurde in Kalk erbaut. Da das Gebiet noch immer zu Erholungszwecken beliebt war, betrieben zwei Kaffeehausbesitzer Mitte der 1860er Jahre zwei Pferdeomnibuslinien. An Sonn- und Feiertagen kam es aber bei vielen jungen Fabrikarbeitern zu übermäßigem Alkoholgenuss. Der Bürgermeister Schaurte ließ daraufhin in Hinterräumen eines Gasthauses ein Arrestlokal errichten.

Landbürgermeisterei Kalk 1867 bis 1880

1867 kam es zur Umbenennung in Landbürgermeisterei Kalk. 1877 wurde ein neues Rathaus errichtet. In den Jahren 1870 / 1871 wurde in Kalk ein Kriegsgefangenenlager gebaut. Der Deutsch-Französische Krieg machte dies erforderlich. Die Kriegsgefangenen wurden durch Bäcker und Metzger versorgt. Ein Lazarett wurde für Kriegsverwundete errichtet. Die Marienkirche wurde 1866 fertiggestellt. Hier gab es Messen in französischer Sprache. 1873 wurden viele Banken insolvent. Unternehmen mussten schließen. Die Eigentümer hatten Aktien in diesen Banken investiert. Steuereinnahmen fehlten daraufhin in der Kalker Gemeinde. Es gab nur wenige Straßen mit Straßenpflaster befestigt. Der Rest war mit Lehmwegen unbefestigt. Bei starkem Regen waren weite Bereiche des Ortes unerreichbar. Das abfließende Wasser sammelte sich mit Unrat in Mulden. Es konnte schlecht ins Erdreich absichern, wegen lehmigen Böden. Diese Unhygiene wurde 1877 mit einer Schlinggrube beseitigt. Auch ein Kanal wurde gebaut. 1877 kam auch ein Anschluss ans Leitungswassersystem Mülheim dazu. Da es keine gute Brandversorgung für mittlerweile 9000 Einwohner gab, wurden die Kalker durch die Werkfeuerwehr der Maschinenbauanstalt AG Humboldt unterstützt. 1877 wurde eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Fünf Kalker machten sich dafür stark. Mit Spenden wurde ein Feuerwehrhaus und Geräte angeschafft. Der Rheinische Bahnhof wurde 1875 eröffnet. So wurde Kalk besser erreicht. 1877 wurde auch eine Pferdebahnlinie von Deutz nach Kalk betrieben.

Kalk von 1881 bis 1910

1881 wurde Kalk zur Stadt ernannt. 1888 wurde die Landbürgermeisterei Kalk aufgelöst. Bürgermeister Thumb versuchte Vingst einzugemeinden, was aber scheiterte. Der Nachfolger Thumbs war Max Albermann. Er blieb bis zur Eingemeindung nach Köln Bürgermeister.

Wappen von Kalk

Kalk hatte kein historisches Ortswappen. Daher kam es 1882 zum Beschluss, ein Wappen zu entwerfen. Ein Heraldiker wurde beauftragt. Es gab Entwürfe die Wallfahrtskapelle auf blauem Grund darzustellen. Auf dem silbernen Schildfuss sollten Symbole der Industrie gezeigt werden. Die Entwürfe entsprachen aber nicht den Wappenkriterien. Bürgermeister Thumb legte einen Entwurf dem Landrat des Kreises Köln zur Genehmigung vor. Der Entwurf gelangte zum Königlich Preußischen Heroldsamt in Berlin. Das Amt in Berlin hatte Korrekturvorschläge. So wurde das Wappen in Berlin neu gezeichnet. Das Wappen bekam folgende Farben: das obere Feld wurde in Kobaltblau gestaltet. Und hatte dunkelblaue Schattierungen. Weiß wurde für das Mauerwerk der Kapelle verwendet. Türe und Fenster bekamen dunklere Schraffierungen. Die Dächer wurden in Schiefer dargestellt. Das Kreuz und die Wetterfahne wurden vergoldet. Die Farbe Schwarz wurde für das Zahnrad, Amboss, Hammer und Fäustel verwendet. Hellziegelrot wurde für die Mauerkrone und fünf Kronen verwendet. Das Wappen wurde am 20. Juli 1883 von Wilhelm I. an die Stadt Kalk verliehen.

Infrastruktur

Die Hauptaufgaben der Stadtverwaltung waren die technische Infrastruktur und die soziale Infrastruktur. Nach dem Konjunkturtief kamen viele arbeitssuchende Menschen des ländlichen Gebiets in die Stadt. Da nicht alle mit Arbeit versorgt werden konnten, kam es zur Verelendung vieler Einwohner. Kirchen sowie Industrieunternehmen unterstützten die Stadt.

Krankenpflege

Seit 1864 gab es durch viele Franziskanerschwestern eine häusliche Krankenpflege. 1869 wurde ein Wohnhaus angemietet. So konnte eine stationäre Betreuung mit mehreren Krankenzimmern durchgeführt werden. Daneben gab es ein städtisches Pflegehaus an der Hochstraße, welches von den Nonnen betreut wurde. Der letzte Kalker Landwirt namens Engels, stiftete 1883 ein großes Grundstück. Seine Tochter war Franziskanerschwester. Darauf wurde das katholische St.-Joseph-Hospital gebaut. 1896 hatte das Krankenhaus 200 Betten. 1904 kam es zum Bau eines evangelischen Krankenhauses mit 56 Betten.

Armenfürsorge

Im 19. Jahrhundert gab es keine staatlichen Hilfen. So waren die Armen auf die Hilfe von wohlhabenden Bürgern angewiesen. Auch Kirchen und fürsorgliche Arbeitgeber halfen. 1874 wurde bereits ein Armen-Unterstützungs-Verein gegründet. Dieser verwaltete eine Pfennigsparkasse. Es war eine Selbsthilfe-Sozialkasse, in diese die Armen Pfennige einzahlen konnten. Bei Notlagen erhielten Betroffene Geld. Daraus wurde auch die Schulmilch für bedürftige Kinder bezahlt. Ab 1885 gab es durch den Verein organisierte Milchkuren für arme Kinder. 300 Kinder konnten jeden Morgen in den Herbstferien mit einem halben Liter Milch sowie einem Brötchen versorgt werden. Auch Spaziergänge wurden veranlasst. Es gab Kuren für Kinder nach Bad Kreuznach. Das Stadtgebiet wurde in Armenbezirke unterteilt. Mit Formularen mussten Betroffene ihre Verhältnisse, die Personenanzahl un den Grund der Armut angeben. Dadurch gab es eine gerechte Verteilung der Gelder. Die Zuschüsse gab es für 14 Tage. Auch eine medizinische Grundversorgung gab es. 1886 richtete die Firma Humboldt eine Suppenanstalt ein. Für einen geringen Geldbetrag gab es eine Mahlzeit. 1904 ersetzte die Stadt diese Suppenanstalt durch eine Armenküche. Einige Unternehmen kauften Waggonladungen Kohle und verteilten diese im Winter an die Armen. Das katholische Waisenhaus Maria Hilf wurde gegründet. Evangelische Waisen wurden in Nachbarorten versorgt.

Bildung

Die Stadt Kalk besaß sechs Volksschulen. Da die Schülerzahlen anwuchsen, gab es einige Schwierigkeiten. Die Klassen bestanden aus 80 Schülern. Wurde diese Zahl überschritten, wurden Anbauten getätigt. Es kamen immer neue Kinder hinzu. So stieg die Durchschnittszahl der Klassengrößen auf über 100. Bis 1895 gab es ein Vierklassensystem. Zwei Schuljahre wurden in einer Klasse unterrichtet. 1902 und 1906 wurden zwei neue Volksschulen gebaut. 1896 wurde ein Progymnasium für Jungen eröffnet. 1898 wurde auch eine Höhere Mädchenschule errichtet. 1884 spendeten einige Industrielle 1700 Bücher für die Stadt. Es wurde die erste Volksbücherei im Rheinland gegründet. Vier Kalker Lehrer betreuten die Einrichtung. 1898 wurde eine Fortbildungsschule gebaut. 1904 kam es zur Schulpflicht in dieser für Kalker Lehrlinge.

Öffentliche Einrichtungen / Verkehr

Im Laufe der Zeit wurden alle Straßen wurden gepflastert und neue gebaut. 1889 / 1890 wurde das Kaiserliche Postamt in neugotischem Stil errichtet. Vor der Post wurde auch ein kleiner Park angelegt. Kalk wollte Garnisonsstandort werden, um ein weiteres wirtschaftliches Standbein zu haben. 1894 bis 1896 wurde die Kronprinzen-Kaserne gebaut. Vorwiegend für Offiziere und hohe Beamte wurden auch schöne Häuser erbaut. Die Fleischereien im Ort hatten keine guten hygienischen Zustände. Dieses wurde bereits 1883 bemängelt. Daher plante man einen städtischen Schlachthof. Erst 1898 wurde der Schlachthof eröffnet. 1900 wurde durch die Stadt das Kalker Gaswerk gekauft. 1886 bekam die Stadt einen zweiten Personenbahnhof. Der alte Personenbahnhof wurde stillgelegt. Stattdessen wurde an der selben Stelle ein Rangierbahnhof errichtet. Auch ein Bahnbetriebswerk wurde errichtet. 1902 gab es die erste Kleinbahn, die die Kalker Hauptstraße erreichte.

Zeit des Nationalsozialismus

Die NSDAP fand in einigen Wohngebieten rasch Anhänger. In den "roten" Vierteln fand die Gruppierung keinen Anklang und wurde mit Pflastersteinen beworfen. Viele Bürger wurden aufgrund des Glaubens, Herkunft, politischen Gesinnung oder Homosexualität drangsaliert. In KZs wurden sie teilweise ermordet. Das Schicksal der sechsköpfigen jüdischen Familie Katz ist belegt. Vier Geschwister wurden in Konzentrationslagern umgebracht. Der Sohn Max der Familie arbeitete im Büro der Chemischen Fabrik Kalk. Er wurde in den Düngerkeller der Fabrik zwangsversetzt. Die Arbeit dort war gesundheitsgefährdend. Er erkrankte an Leber- und Magenkrebs. Er starb 1941. Die Tochter Johanna Katz überlebte als Einzige. Ihr nicht-jüdischer Ehemann versteckte sie bis Kriegsende. Die Geschwister-Katz-Straße wurde zur mahnenden Erinnerung nach der Familie benannt. 200 Kalker Bürger wurden in der NS-Zeit umgebracht.

Das Werk Klöckner-Humboldt-Deutz war wichtigster Betrieb in dieser Zeit. Es wurden Panzer und Motoren für U-Boote produziert. Ab 1939 wurden viele Berufstätige an die Front geschickt. Es entstand Personalmangel. So mussten Frauen sowie Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten die Arbeit erledigen. 1500 Zwangsarbeiter aus Polen wurden im Betrieb eingesetzt. Sie wurden in Barackenlagern untergebracht. Die Wallfahrt zur Kalker Kapelle wurde 1940 verboten. 1941 wurde die Kapelle durch eine Fliegerbombe zerstört. Nur die Marienfigur blieb vollständig. Durch die Kriegsindustrie im Ort wurde Kalk Hauptziel britischer und amerikanischer Bomber. Es gab 20 Bombenangriffe. 90 Prozent der Industrieanlagen und Zivilbauten wurden stark beschädigt oder ganz zerstört. Den schlimmsten Bombenangriff gab es in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 1943. Die Zivilbevölkerung wurde in ländliche Gebiete evakuiert. Gegen Kriegsende lebten nur noch 300 Menschen in Kalk.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende kehrten Frauen und Kinder ins stark zerstörte Kalk zurück. Die sogenannten Trümmerfrauen enttrümmerten den Stadtteil. Trümmerbahnen wurden provisorisch errichtet. Die Schuttmassen wurden abtransportiert. Es entstanden Trümmerberg. Heute noch zu sehen am Vingster Berg. Wirtschaftlich aufwärts ging es mit der Wiederinbetriebnahme der Industrieanlagen. Die Fabriken waren ohne Führung. Deren Besitzer wurden als Wehrwirtschaftsführer verhaftet oder sie tauchten unter. So übernahmen Betriebsausschüsse die Leitung. Der Wiederaufbau konnte mit der Heimkehr der meisten Kriegsgefangenen rascher betrieben werden. Bombenbeschädigte Häuser wurden rasch wieder aufgebaut, um Wohnraum für die benötigen Arbeiter zu schaffen. In der Zeit des Wirtschaftswunders wurden viele Geschäfte, Gasthäuser und Kinos errichtet. Anfang der 1960er Jahre gab es den ersten Zuzug von Gastarbeitern. Durch die Vollbeschäftigung gab es nicht mehr ausreichend deutsche Arbeitskräfte. Dadurch entwickelte sich Kalk zu einem Stadtteil mit hohem Migrantenanteil.

Die 1970er und 1980er-Jahre

In den 1970er Jahren kam es zur Rezession. Für die Kalker Industrie und Arbeiter hatte dies schwerwiegende Folgen. Seit 1978 schlossen immer mehr Fabriken.

  • 1978 schloss die Metallgießerei Peter
  • 1979 schloss die Stahlbaufirma Albert Liesegang
  • 1983 kam es zum Konkurs der Akkumulatorenfabrik Gottfried Hagen in Humboldt
  • 1996 verlegte die Klöckner Humboldt Deutz AG die Produktion ins bayerische Lauingen
  • 1993 wurde die Fabrik Chemischen Fabrik Kalk geschlossen

Über 8500 Menschen verloren ihre Arbeit. Die Umsätze sanken. Der Altbau des evangelischen Krankenhauses wurde 1989 durch einen Neubau ersetzt. Das Krankenhaus hat viele Hauptabteilungen. 1991 kam es zum Bau eines modernen Haltepunktes in der Trimbornstraße.

Gegenwart

Bildungsangeboten für die Bürger, Freizeiteinrichtungen für Jugendliche, Beratungsstellen für Langzeitarbeitslose sowie betreute Drogencafés für Abhängige unterstützt. Es gibt die Initiative Schäl Sick mit dem Versuch, neue Betriebe anzusiedeln. Es wurden Neubauten mit Begrünung geschaffen. Die denkmalgeschützten Werkshallen der Klöckner-Humboldt-Deutz Werke wurden vermietet.

Bevölkerung

Die Nähe zur Industrie machte Kalk für Eigenheimbebauung unattraktiv. Seit den 1980er Jahren zogen viele Kalker in Nachbargemeinden. Da Verkehrsanbindungen sehr gut sind, war das direkte Wohnen in Arbeitsplatznähe nicht mehr nötig. Viele Gastarbeiter blieben in Kalk. Daher erhöhte sich der Ausländeranteil von 30,2 % im Jahr 1985 auf 40,9 % im Jahr 2000. Auf den ehemaligen Industriegebieten entstanden viele Wohnbauten.

Religionen

In Kalk gibt es viele Nationalitäten. Daher gibt es eine große Religionsvielfalt. Die meisten Kalker sind Katholiken, gefolgt von Protestanten. Der Rest gehört anderen Religionen oder sind konfessionslos.

Seit 1856 ist die katholische Kirchengemeinde Kalk eigenständig. Sie besitzt die Kirchen St. Marien sowie St. Joseph. Des Weiteren gibt es die Kalker Kapelle. Die italienische Gemeinde der Missione Cattolica Italiana gibt es in St. Marien Messen auf Italienisch. Seit 1918 besteht das Kloster der Klarissen. 2007 lebten hier nur noch sieben Schwestern. 2013 wurde das Kloster aufgrund Nachwuchsmangels aufgegeben.

Die evangelische Kirchengemeinde besitzt die Jesus-Christus-Kirche. Die Weinberg-Gemeinde hat eine evangelische Freikirche.

Den Muslimischen Gläubigen stehen in Kalk zwei Moscheen zur Verfügung.

1928 wurde die Neuapostolische Kirchengemeinde gegründet. Das Gotteshaus wurde 1951 erbaut. Die Gemeinde verkaufte 2010 die Kirche an die Priesterbruderschaft St. Pius X.

Infrastruktur und Wirtschaft

Der Haltepunkt Köln Trimbornstraße wird von der S-Bahn Köln wird bedient von Köln Hbf. nach Siegburg sowie Overath / Meinerzhagen. Es gibt auch eine Direktanbindung zum Flughafen Köln / Bonn. Es gibt zwei öffentliche Stadtbahnlinien und zwei Buslinien.

Individualverkehr

Von der A 559 führt die Abfahrt Kalk / Poll nach Kalk. Die B 55a ist im Norden und Westen ans Autobahnkreuz Köln-Ost angebunden. Da die Bebauung eng ist, sind die Nebenstraßen auf Einrichtungsverkehr angelegt. Ausgebaute Fahrradwege gibt es nur in der Kalk-Mülheimer Straße sowie der Dillenburger Straße. Daneben teilweise auch an der Kalker Hauptstraße sowie der Kapellenstraße.

Geschäftswelt, Gastronomie und Gewerbe

Die Kalker Hauptstraße ist zentrale Geschäftsstraße. Das Einkaufszentrum Köln Arcaden, eine Filiale der Kaufhof AG und viele Geschäfte befinden sich hier. Durch das Einkaufszentrum erlitten die alteingesessenen Geschäfte horrende Umsatzeinbußen. Viele mussten daher schließen. Leerstehende Läden wurden an Discounter vermietet. Es gibt in Kalk noch viele Arbeiterkneipen. Die Gaststätte Reissdorf em Cornely wurde 1874 eröffnet. Es ist eine Traditionsgaststätte im Brauhausstil. 1996 wurde der Zechengarten wieder eröffnet. Im Sommer gibt es neben Bierkonsum rheinische Kost. Für Studenten gibt es Kneipen wie "Vorstadtprinzessin", "Trash Chic" oder das Cafe "Blauer König". Eine Produktionsstätte der Deutz AG erzeugt Rüttler. Auch ein Logistikzentrum des Werks besteht.

Öffentliche Sicherheit

Im alten Polizeipräsidium gab es eine Asbestverseuchung. Daher wurde dort das Kölner Polizeipräsidium neu errichtet. Ein Polizist wurde im Dienst getötet. Zu seinen Gedenken wurde eine Straße nach ihm benannt. Das Kalk-Karree sorgt mit einer Sozial- und Jugendverwaltung für die Jugend.

Bildung, Betreuung und Krankenpflege

In Kalk gibt es zwei Hauptschulen, eine Schule für Lernbehinderte und das Gymnasium Kaiserin-Theophanu-Schule. Daneben gibt es noch Außenschulen der Volkshochschule und acht Kindergärten. Es gibt eine moderne Großklink mit dem Evangelischen Krankenhaus. Außerdem verfügt Kalk über zwei Altenheime. Auch ein Kriseninterventionszentrum ist vorhanden. Im Stadtgarten gibt es den denkmalgeschützten Wasserturm.

Museum

2009 eröffnete das Wissenschafts-Erlebnis-Zentrum Odysseum. Es gibt sechs Themenwelten mit 200 Erlebnisstationen.

Jugendeinrichtungen

2006 wurde die Freizeit- und Jugendeinrichtung AbenteuerHallenKalk eröffnet. Darin gibt es einen Skatepark und eine Kletterwand. Es wird auch Streetball für behinderte und nichtbehinderte Menschen angeboten. Daneben gibt es auch Jugendsportarten wie Soccer, Fahrrad-Trial und Inlineskating. Seit den 1970er Jahren bietet die Evangelische Kirchengemeinde für alle Kalker Kinder und Jugendlichen verschiedene Angebote an. Hausaufgabenbetreuung, ein Jugendzirkus, Jugendchor- und Musicalarbeit, Jugendcafe sowie Computerarbeit gibt es im Jugendzentrum.

Veranstaltungen

Es gibt jedes Jahr ein Straßenfest an der Kalker Hauptstraße. Die Festmeile hat drei Bühnen und Verkaufsstände. Dort treten Kölner Karnevalskünstler auf. Ein Karnevalszug zieht am Karnevalsdienstag durch die Straßen. Ein jährliches Schützenfest wird durch die Kalker Schützen veranstaltet.

Die italienischen Katholiken der Gemeinde St. Marien pflegen noch heimatliche Bräuche. Die Passion Christi wird von Laien auf Italienisch dargestellt. Am Gründonnerstag gibt es gebackene Gebildbrote.

Bauwerke: Sakralbauten

Folgende Bauwerke sind zu erwähnen:

  • Kalker Kapelle: Nach der Kriegszerstörung erfolgte der schlichte Wiederaufbau
  • St. Marien: 1863 bis 1866 entstand neben der Kapelle die Pfarrkirche St. Marien. Die Kirche hat einen 50 Meter hohen Turm.
  • St. Joseph: die dreischiffige Backstein-Hallenkirche St. Joseph wurde in den Jahren 1899 bis 1902 erbaut
  • Jesus-Christus-Kirche: die Einweihung fand 1951 statt
  • Klarissenkloster: Die Idee zum Bau kam vom Prälat Monsignore Martin Köllen und seiner Nichte. Sie war Äbtissin in Kevelaer. Das Kloster wurde 1925 eingeweiht. 1941 wurde es zerstört, 1947 aber wieder aufgebaut. 1965 folgten Figuren an den Fassaden. 1990 erhielt es eine farbige Verglasung.

Berühmte Bürger Kalks

Und nun kommen wir zur "Prominenz":

  • Clemens Ganz, 1964 - 1976 Organist in St. Marien
  • Tom Gerhardt (geb. 1957) Komiker, Schauspieler und Ehrenbürger von Köln-Kalk
  • Hermann Grüneberg (1827 - 1894), Chemiker, Unternehmer und Ehrenbürger der Stadt Kalk
  • Helmut Kickton (geb. 1956), von 1976 bis 1983 Organist der Jesus-Christus-Kirche
  • Hilde Krüger (1912 - 1991), Schauspielerin, Agentin der Abwehr in der NS-Zeit
  • Karl-Heinz Kunde (geb. 1938) Radprofi, dreifacher Deutscher Meister und sechsfacher Tour-de-France-Teilnehmer
  • Martin Lauer (geb. 1937), Leichtathlet, 1960 Olympiasieger in der 4-x-100-m-Staffel
  • Tina Ruland (geb. 1966), Schauspielerin, ist in Kalk aufgewachsen
  • Carl Johann Heinrich Scheibler (1852 - 1920) Düngemittelfabrikant, Mitstifter der evangelischen Krankenhäuser
  • Joseph Caspar Witsch (1906 - 1967), Bibliothekar und Verleger