Ein Spaziergang durch das Vringsveedel

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Das Severinsviertel wird auf Köln "Vringsveedel" genannt und bietet einiges an Attraktionen. Sie können diese ganz einfach und bequem auch zu Fuß erreichen und können dies mit einem wunderbaren Spaziergang verbinden. Schließlich ist Bewegung auch gut für Ihre Gesundheit!

Severinsbrücke

Severinsviertel liegt in der Alstadt Süd

Dieses Veedel liegt also in dem Stadtteil Altstadt Süd in Köln und bietet einiges an Geschichte und Kultur. Früher befand sich dort auch ein beliebtes Museum der Stadt Köln. Es musste jedoch aufgrund der ständigen Hochwassergefahr verlegt werden. Da es doch zur Geschichte des Vringsveedels gehört, wollen wir es hier jedoch auch erwähnen.

Rautenstrauch-Joest Museum

Es befand sich am Ubierring 45 und war bzw. ist immer noch das einzige kommunale Völkerkundemuseum in Nordrhein-Westfalen (NRW). Es gehört zu den Museen der Stadt Köln und wird von dieser betrieben und verwaltet.

Wie entstand diese Sammlung? Nun, es war der Forscher und Kölner Kaufmann Wilhelm Joest, welcher auf seinen Forschungsreisen vielen Dinge sah und sammelte. Leider starb er recht früh auf einer Forschungsreise und vermachte seiner Schwester Adele von Rautenstrauch seine komplette Sammlung. Diese übergab die Sammlung dann im Jahre 1899 an die Stadt Köln. Neben dieser wertvollen Sammlung schenkte Sie der Stadt Köln auch noch einen großen Geldbetrag. Mit rund 250.000 Mark wurde die Errichtung des Museums finanziert. Eröffnet wurde das Rautenstrauch-Joest Museum übrigens am 12.11.1906.

Ebenfalls war die Kölner Bankiers-Familie von Oppenheim an der Museumsförderung beteiligt. Max von Oppenheim unterstützte gleichwohl, wie auch Wilhelm Siegel und Irene und Peter Ludiwg.

Wie bereits erwähnt, musste das Museum umziehen. Obwohl es den zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden hatte, setzte das Hochwasser dem Museum immer wieder zu. Die Depots des Museums wurden oft unter Wasser gesetzt und so musste gehandelt werden. Das einzige ethnologische Museum von NRW begab sich also auf die Reise und zog um. Es befindet sich heute in der Cäcilienstraße 29-33 in 50667 Köln.



Die Bottmühle

Direkt an der mittelalterlichen Stadtmauer in Köln steht zwischen der Severinstorburg und dem Bayenturm die Bottmühle. Es ist ein runder Turm der teilweise mit Efeu bewachsen ist und von einer Grünfläche umgeben ist. Die Grünfläche ist - im Vergleich mit dem Straßenniveau - stark abfallende Grünfläche. Umgeben ist das Ganze dann noch von einer Steinmauer.

Im 16. Jahrhundert wurde auf der Stadtmauer ein Wehplateau als Wallplattform angelegt. Genau an dieser Stelle wird dann im Jahre 1587 eine Windmühle (Bockwindmühle) aus Holz gebaut und betrieben. In den Jahren 1677 bis 1678 erfolgt dann eine Aufwertung und Umwandlung in eine steinerne Mühle. Die Dachkonstruktion ist jetzt noch kegelförmig, wird aber danach noch abgerissen, da die Mühle um ein weiteres Geschoss erhöht wird. Als Dach wird dann jedoch eine Plattform genutzt. Im Laufe der Zeit entfällt anscheinend auch immer mehr die Nutzung als Windmühle.

Die Bottmühle wurde nun auch als Sitzungsraum und Raum für eine studentische Verbindung genutzt. In den Jahren 1911 bis 1945 war sie Heim für die "ATV Makromannia-Westmark" mit ihren verschiedenen Eingliederungen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Bottmühle von den Engländern wieder an die "Deutsche Jugendschaft" übergeben. Fortan wurde die Mühle für die Jugendarbeit genutzt.

Die Severinstorburg

Die alte Stadtmauer der Stadt Köln wurde im Jahre 1180 errichtet und war damit die größte, mittelalterliche Stadtbefestigung bzw. Stadtmauer des "Römischen Reiches Deutscher Nationen". Es war eine Anlage mit Mauer, Wall und Graben, die so die Bürger gut schützen konnte. Die Befestigungsanlage hatte eine Länge von insgesamt 7,5 Kilometern. Auf besonderen Wunsch der Kölner 12 riesengroße Torburgen bekommen sollte. Ebenso sollten 52 Wehrtürme und 12 weitere Tore zum Rheinufer hin gebaut werden. Man orientierte sich hier am "himmlischen Jerusalem".

Die "Vringspooz" (so wird die Severinstorburg auf Kölsch genannt) ist eine der wenigen erhaltenen Stadttorburgen der Stadt Köln. Genau genommen sind nur vier dieser Torburgen der alten Stadtmauer erhalten geblieben. Folgende Torburgen sind erhalten geblieben:

  1. Severinstor
  2. Eigelsteintorburg
  3. Hahnentorburg (am Rudolfplatz)
  4. Ulrepforte (Karthäuser Mühle)

Als Besonderheit gilt zu erwähnen, dass am Severinstor auch noch einige Meter der mittelalterlichen Stadtmauer erhalten geblieben sind. Sollten Sie die Stadt Köln also einmal besuchen und planen Sie eine richtige Städtereise mit Seigseeing, dann ist dies hier sicherlich eine Station, welche Sie sich merken sollten.

Hahnentorburg
Die Hahnentorburg

Neben dieser Severinstorburg ist zusammen mit St. Severin sicherlich das Hauptwahrzeichen des Vringsveedels. Das Severinstor wurde Anfang des 13. Jahrhunderts als massive Turmtorburg erbaut. Sie war vierstöckig über der Grundmauer gebaut worden und verfügte über einen sechseckigen Turmbau. Der Abschluss erfolgte mit einer Dachplattform aus Tuffsteinen. Verziert und ergänzt wurde sie mit zwei kleineren Flankentürmen. Diese waren zweistöckig und waren für die einfache Verteidigung des Toreingangs gedacht. Dieses imposante Tor sicherte nun durch seine massive und eindrucksvolle Bauweise den Weg Richtung Süden nach Bonn. Diese Strecke war zu damaliger Zeit sehr wichtig und deshalb ein strategischer Punkt in der Stadtverteidigung. Im 15. Jahrhundert wurden sogar noch zusätzlich einige Geschützkammern dazu gebaut.

Im weiteren Verlauf der Zeit wurde die Severinstorburg auch für andere Zwecke genutzt. So befand sich dort zum Beispiel auf folgendes:

  • Hygienemuseum
  • Naturkundemuseum
  • Einzug der Kölner Hitler Jugend
  • Umwandlung in ein Bürgerzentrum mit Raumvermietung

Haus Balchem

Gebaut wurde dieses prächtige Brauhaus von dem Bierbrauer und Ratsherr Heinrich Deutz im Jahre 1676. Es steht direkt an der Severinsstraße und wurde überwiegend als kölsche Wirtschaft genutzt. Seinen Namen erhielt es deshalb auch von dem letzten Besitzer, der dort eben eine Wirtschaft betrieb. Krieg und Zerstörung konnten dem Haus aus dem 17. Jahrhundert nichts anhaben und so ist es noch gut erhalten.

St. Severin

Es ist eine von mehreren romanischen Kirchen in Köln. Ursprünglich als Stiftskirche genutzt, ist die Pfeilerbasilika eine der zwölf romanischen Basiliken von Köln. Der Förderverein "Romanische Kirchen Köln" unterstützt hier den Erhalt tatkräftig und sichert so die Geschichte der Domstadt. Papst Pius der XII machte die Kirche übrigens im Jahre 1953 zur Basilica minor.

Der 2. Weltkrieg hat aber leider hier auch seine Spuren hinterlassen und so musste die Kirche nach dem Krieg wieder aufgebaut werden. Als Vorlage für den Wiederaufbau nahm man anderen romanischen Kirchen. Obwohl der Krieg viel zerstört hat, so ist die Inneneinrichtung von St. Severin immer noch sehr sehenswert. Folgende Dinge können dort bewundert werden:

  • Chorgestühl aus dem 13. Jahrhundert
  • Wandtabernakel aus dem 17. Jahrhundert
  • Severinsschrein (19. Jahrhundert)
  • ein Reliquienschrank aus dem 14. Jahrhundert

In der Kirche findet man ebenfalls die gemalte Severinslegende, ein wunderschönes romanisches Glasfenster, ein Pestkreuz, eine Pieta aus dem 15. Jahrhundert und zwei wunderbare Altarflügel.

Das Augustinerkloster

Im Vringsveedel ist auch ein geistlicher Orden vertreten. Es ist der Orden der Augustinerinnen, welcher eine eigene Klosteranlage betreibt. Bereits seit dem Jahre 1874 verwalten diese Ordensschwestern auch ein Krankenhaus, welches im Volksmund gerne "Severinsklösterchen" genannt wird.

Es steckt ganz viel Geschichte in den Mauern und so findet sich zum Beispiel ein Denkmal an fünf Ordensschwestern in einem Innenhof des Gebäudes. Diese fünf Schwestern haben im ersten Weltkrieg aufopferungsvoll verwundete Kölner, aber auch verletzte ausländische Soldaten eingesammelt und behandelt. Leider sind sie jedoch im Jahre 1917 dann im Krieg gestorben. Im Jahre 1931 wurde ein nagelneus Krankenhaus gebaut. Als Baufläche wurde die Fläche zwischen Kartäusergasse, Jakobstraße, Severinsstraße und Kartäuserhof genutzt. In den folgenden Jahren und hier ganz genau im Jahr 1951 wurde das kriegszerstörte Haupthaus und eine Kappelle wieder in Stand gesetzt. Im Jahre 1951 erfolgte eine Erweiterung des Haupthauses und letztlich wird im Jahre 1959 ein neues Schwesternhaus gebaut. Der Bau erfolgte am Kartäuserhof. Als runden Abschluss kann man dann den Bau eines neuen Fortbildungszentrums und eines Schwimmbads im Jahre 1972 bezeichnen.

Schokoladenfabrik Stollwerck

Im Severinsviertel gab es sogar eine Schokoladenfabrik! Nämlich die von dem Unternehmer und ehemaligen Bäcker Franz Stollwerck. Dieser verkaufte bereits im Jahre 1839 Schokolade und Bonbons. Mit den 1860er Jahren ging es dann mit voller Kraft in die Süßwarenproduktion. Und letztlich dann im Jahre 1865 mit Geschäft und Produktion auf der Hohe Straße in Köln. Nach einigen Familienstreitereien verließen die zwei Söhne die Firma und gründeten sogar eine eigene Firma für die Schokoladenherstellung. Konkurenz aus dem eigenen Hause! Als der Vater Franz Stollwerck dann jedoch starb, wurden die Firmen zusammengeführt und eine starke Firma war geboren. Die Liebe der Menschen zu der süßen Tafelschokolade brachte einen regelrechten Boom in die Firma, die dann die Produktion deutlich aufstocken mußte und eine Fabrik im Severinsviertel eröffnete. Dort wurden dann neben der Schokolade auch Automaten, Maschinen und Werbeartikel hergestellt. Der Sitz an der Severinsmühlengasse wurde durch ein Haus mit zwei imposanten Türmen geschmückt. Zu der damaligen Zeit hatten die Kölner einen zweiten Dom: Sie nannten die zwei Türme liebevoll "dr Kameledom"!

Nach einigen vielen Jahren konnte der Erfolg nicht beibehalten werden und dies war dann die Gelegenheit für Hans Imhoff die Firma im Jahre 1972 zu übernehmem. Er war es letztlich der die 150 jährige Firmengeschichte mit einer Ausstellung zur Kulturgeschichte krönnte und damit die Grundstein für das Schokoladenmuseum legte. Dieses wurde dann im Jahre 1993 eröffnet. Die Produktion hatte Imhoff übrigens dann bereits nach Westhoven verlagert. Auch Imhoff verkaufte das Unternehmen, nämlich im Jahre 2002 an die Firma Barry (aus der Schweiz). Die Produktion in Köln wurde dann eingestellt und lediglich die Verwaltung blieb übrig. Als trauriger Abschluss sei noch zu erwähnen, dass im Jahre 2011 die Firma Baronie (Belgien) die Firma kaufte und dann letztlich auch noch die Verwaltung in Köln auflöste bzw. nach Norderstedt verlegt. So verabschiedete sich ein Kölner Traditionsunternehmen in Etappen aus Köln. Und was bleibt? Nur noch die Erinnerung in Form von unserem schönen Schokoladenmuseums, welches es hoffentlich noch lange geben wird!


Nun noch einige Informationen zu einer - aus kölner Sicht - unschönen Zeit rund um das ehemalige Fabrikgebäude. Da die Stadt Köln Ende der siebziger Jahre neue Bauflächen benötigte, erklärte sie das Gebiet einfach zum Sanierungsbiet und wollte somit eine Neugestaltung erwirken. Mehr als 60% des alten Fabrikgeländes sollten abgerissen werden und durch neue, moderne Gebäude ersetzt werden. Als die Kölner Bürger diese Pläne erfuhren, lösten sie massive Proteste in der Domstadt aus. Plötzlich hieß es "Macht Stollwerck zum Bollwerk" und sogleich besetzten sagenhafte 600 Kölner einfach das Fabrikgelände. Sicherlich war dies die größte Hausbesetzung, welche Köln jemals erlebt hatte!

Der Plan war der Eigenverantwortliche Umbau der Anlage zu Wohnraum. Einfach und günstig sollte es sein. Doch alle Proteste und Aktionen nützten nichts, denn die Stadt zeigte sich hart und letztlich wurden alle Anlagen bis auf die Maschinenhalle und der Annosaal abgerissen. In dem "Anno-Riegel" wurde dann aber günstiger Wohnraum geschaffen. In der Gegend gab es damals in den Gebäuden noch viel Platz für Schauspiel- und Musikveranstaltungen. Ein imposantes Gebäude aus dieser Zeit ist heute immer noch erhalten und wird als Bürgerzentrum genutzt. Es nennt sich "Bürgerhaus Stollwerck".

Der Bayenturm

Er war ein Teil der Kilometer langen Stadtbefestigung und wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Legendär ist folgendes: Bei einem Kriegskampf im Jahre 1262 soll damals zum ersten Mal aus dem Munde der Kölner der Schlachtruf "Kölle alaaf!" erklungen sein. Wer kennt ihn nicht?! Viele Grüße vom Kölner Karneval!

Der Bayenturm ist ein wichtiges Überbleibsel Geschichte und Zeuge der mittelalterlichen Befestigung der Stadt, welche über 700 Jahre für Sicherheit sorgte. Der Turm ist auch in der weiteren Geschichte (Erzbischof Engelbert II) immer wieder wichtig und wird oft erwähnt.

Leider wurde der Bayenturm im Rahmen des zweiten Weltkrieges erheblich beschädigt und lag viele Jahrzente einfach als Ruine am Boden. Der Wiederaufbau konnte nur mit großen Mitteln finanziert werden und wurde aber erfolgreich abgeschlossen. Heute ist der Turm Firmensitz der von Alice Schwarzer gegründeten Firma "FrauenMedia Turm".

Severinsbrücke

Das Severinsviertel erreichen Sie bequem über die Severinsbrücke, welche nur unweit unserer Wohnungen liegt. Wenn Sie die Ferienwohnung in der Siegburger Str. gemietet haben, dann sehen Sie die Brücke direkt, wenn Sie das Haus verlassen. Ganz einfach zu Fuß rüber spazieren und einen Teil der Kölner Geschichte hautnah erleben. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage. Familie Weihofen



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